Sydney empfing uns mit einer drückenden Hitze. Obwohl die Sonne selten zu sichten war, war es so heiß, dass man nachts kaum ein Auge zu getan hat. Zu Fuss machten wir uns vorerst mal auf Erkundungstour. Botanische Gärten, die Harbour Brücke und natürlich das Opernhaus stand als erstes auf dem Programm. Sydney ist eine belebte Stadt, die wir von Anfang an sympathisch fanden. Wir haben aber bewusst nicht viel Zeit verbracht, da wir am Schluss noch weitere Tage dort verbringen werden. Doch dem Bondi-Beach mussten wir aber auf alle Fälle einen Besuch abstatten, denn zum Einen konnte man tagsdurch bei dieser Hitze sowieso nicht viel in der Stadt machen (außer Shoppen, aber das haben wir uns für den Schluss aufgespart), zum Anderen zieht der “Baywatch” ähnliche Strand Touristen und Surfer aus aller Welt an und gehört zu den “Must Seen” von Sydney. Wie es der Zufall grad wollte fand ein grosser Surfcontest am Bondi-Beach statt. Fernsehteams aus aller Welt waren am Strand versammelt und filmten die Profis.
Es verblieben uns für den Trip in Australien 6.5 Wochen. Wir waren uns anfänglich nicht sicher, welchen Teil wir bereisen sollten. Den weniger touristischen Westen, oder den sehr touristischen Osten. Und zudem waren wir uns auch nicht sicher, wie wir reisen sollten. Camper oder Bus. Weil wir halt schon sehr viel auf der Welt gesehen haben und einige abenteuerlichen Erlebnisse hinter uns hatten, entschieden wir uns den Osten mit dem Bus zu bereisen. Wir waren mehr auf der Suche nach Sonne und Erholung, als noch weitere Abenteuer. Wir buchten also den Grayhound Bus von Sydney in den Norden nach Cairns. Wo wir wann einen Stopp machten war uns selbst überlassen. Unsere erste Station war Byron Bay, ein Surferdorf, welches ohne Backpacker wohl gar nicht existieren würde (wie so manches an der Ostküste). Byron Bay ist für die schönen Strände, guten Wellen und das verrückte Nachtleben bekannt. Beim letzten Punkt merkt man schnell, was für Leute hauptsächlich den Osten bereisen: weiblich, meistens aus dem Norden (England, Schweden oder Holland) jung und trinkfreudig. Das Niveau war dementsprechend hoch. Als kleines Beispiel: Ich musste in einer jungen deutschen Abiturandin erklären, warum die Schweiz ein eigenes Land ist und nicht einfach der deutsch-sprachige Teil zu Deutschland gehöre und der französische zu Frankreich etc. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was ich dazu antworten sollte. Aber natürlich waren nicht alle so und man traf auch auf sehr interessante Personen, welche Australien wegen dem wesentlichsten bereisen: die faszinierende Natur. Kultur ist nämlich an der Ostküste Australien selten zu finden. Es ist wirklich schwierig, mit Australier ins Gespräch zu kommen, den man verkehrt praktisch nur mit Backpacker. Aber auch das kann sehr spannend sein.
Nach Byron Bay ging die Reise weiter nach Surfers Paradise. Ich hätte mir das niemals so gross vorgestellt und optisch sah es aus wie Miami. Hochhäuser am Strand und viel Glamour. Ca. 20min im Landesinnern lebten Bekannte aus der Schweiz von uns, welche wir einen Besuch abstatten. Wir mieteten ein Auto, was für mich hieß, dass ich das erste mal links fahren durfte. Anfänglich fühlte ich mich gar nicht wohl und immer wenn ich blinken wollte, betätigte ich den Scheibenwischer. Tagsdurch erkundeten wir die Gegen rund um Surfers und am Abend wurden wir mit dem besten Essen verwöhnt. Zürichgeschnetzeltes, Schoggi-Puding und selbstgemachter Zopf waren auf dem Speiseplan. Kein Wunder das es uns da so lange festgehalten hat. Vielen Dank noch an Vreni, Fränzi, Miriam, Gysela und Ingo für die Gastfreundschaft.
In Surfers besuchten wir noch einen Streichelzoo für Kängeruhs und Koalas. So hatte man mal die Möglichkeit, diese wunderschönen Tiere von nahem zu betrachten. Im Zoo drin hatte es noch einen Adventure Park und dank dem PTT6 (UBS) war ich schon ein halber Profi, was das Klettern in den Bäumen betrifft.
Mit Brisbane lag die nächste Grossstadt auf dem Programm. Die Ostküste hatte den schlechtesten Sommer aller Zeiten hinter sich und praktisch alle Städte waren von Überschwemmungen betroffen. Brisbane hatte es ziemlich stark erwischt, was zur Folge hatte, dass sie dem Ufer entlang immer noch viele Baustellen hatten. Wir waren in der Herbstzeit in Australien und hatten abgesehen von ein paar Regentage sehr Glück mit dem Wetter. In Brisbane erwartete uns wieder eine Hitzewelle und da die Stadt wenig zu bieten hat und es so heiß war, machten wir uns, kürzer als geplant, nach einen Tag auf die Weiterreise nach Noosa.
In Noosa sind wir aus verschiedenen Gründen stecken geblieben. Einer der Gründe war sicherlich das gute Hostel, welches mehr nach einem edlen Hotel aussah, als nach ein Hostel. Sonst war Noosa ein kleines Surferdorf, dass außer schönen Stränden und hübschen Villen nicht viel zu bieten hatte. Aber für eines war es bekannt, denn es lockte Surfer von überall her an. Ich war eigentlich nicht sehr motiviert, das Surfen zu lernen, da ich nicht so ein Fan von Brettsportarten bin. Als ich es dann aber trotzdem versuchte, hatte es mich plötzlich gepackt. Und so waren schnell zwei Wochen vorüber und wir waren immer noch in Noosa. Es verging kein Tag, wo ich nicht auf dem Brett stand. Mit der Zeit versuchte ich immer die grösseren Wellen zu erwischen, was leider nicht immer klappte und es paar mal schmerzlich endete.
Der dritte Grund warum wir so lange in Noosa waren, war unter anderem das Wetter. Gegen Schluss hatten wir ein paar regnerische Tage und wir warteten bis es wieder aufheiterte, denn als nächstes waren unsere Ausflüge nach Fraser Island und Whitsunday Islands geplant, welches zu den Highlights der Eastcoast zählen.
Auf Fraser Island buchten wir eine dreitägige 4x4 Tour. In einer achter Gruppe war man in einem Allrounder Jeep und wir mussten dieses Gefährt selber durch Dschungel und über Sanddünen lenken, was nicht immer ganz einfach war. Fraser ist die grösste Sandinsel der Welt und die ganze Insel ist ein Naturpark, was zur Folge hatte, dass es keine Strassen auf der Insel hatte, was die Fahrt teils sehr holprig machte und nicht immer ganz ungefährlich. Unser Auto kam am Schluss ohne Rückspiegel und mit ein paar Beulen zurück.
Während man tagsdurch die meiste Zeit im Auto die Insel erkundete, verbrachte man Abends die Zeit auf dem Campingplatz, wo um die 100 Personen übernachteten. Für die Verpflegung war jede Gruppe selbst verantwortlich, man musste selber einkaufen und auch kochen. Übernachtet hatte man in Zelten und da niemand gerne in Zelter schläft, verbrachten fast alle mehr Zeit draußen mit tanzen, singen und trinken. Am nächsten Morgen sah man in viele müde Gesichter und teils lagen immer noch ein paar Alkoholleichen (praktisch immer Engländer) herum.
Fraser ist für die einzigartige Natur- und Tierwelt bekannt. Im Meer war es nicht möglich zu baden, da es erstes zu wild war und zu dem viele Haie hatte. Aber auf der Insel hatte es wunderschöne Seen und dort machten wir immer wieder mal einen Badestopp. Man sah viele Spinnen in allen Farben und Grössen, teils auch giftige. Am Abend kamen Dingo bis zu einem Meter an den Campingplatz heran, auf der Suche nach etwas Essbaren. Die Dingos sind Wildhunde, welche zwar sehr schön aussehen, aber dem Menschen gefährlich werden können. So wird ab und zu jemand von einem Rudel Dingos angegriffen und ab und zu auch tödlich endet. So bekamen wir die Anweisung, dass niemand alleine auf die Toilette gehen darf, da sie meistens auf einzelne Opfer losgehen. Eine junge Dame in unserer Gruppe machte sich morgens um sechs trotzdem alleine auf den Weg auf die Toilette, da es schon hell war, dachte sie, sei es nicht länger gefährlich. Plötzlich war sie von einem Rudel Dingos umzingelt, sie konnte sich zum Glück noch auf einen Baum flüchten und um Hilfe rufen.
Viele Schlangen sind auf Fraser heimisch, so auch drei der giftigsten. Wir hatten zwei Mal mit diesen Tieren Bekanntschaft gemacht. Beides Mal waren es zwar giftige Schlangen, aber keine tödlichen.
Nach Fraser folgte schon der nächste Ausflug. Von Early Beach ging es auf einen dreitägigen Segeltrip zu den Whitsunday Insel. Dreizehn Passagiere und eine Crew von drei Personen fasste “Mandrake”, das Rennsegelboot, welches lang als Trainingsboot für den American Cup diente. Komfort war auf dem Schiff fehl am Platz und eigentlich ist das Schiff für eine Crew von zwölf Personen gemacht. Für uns hatte dies zur Folge, dass man ab und zu mal mit anpacken musste und dafür ein bisschen das Segelhandwerk erlernen konnte. Wir hatten perfektes Wetter, was wirklich Glück war, denn seit Wochen hatten sie dort schlechtes Wetter und manch Segeltrip musste abgebrochen werden, da alle Gäste Seekrank wurden.
Am ersten Tag verbrachten wir viel Zeit auf See, machten immer wieder bei einem Korallenriff einen Stopp um zu Schnorcheln. Am Abend ankerten wir in einer Bucht, verspeisten das vorzügliche Abendessen und schauten bei gemütlicher Musik der Milchstrasse empor und sahen die eint oder andere Sternschnuppe. Die Stimmung war einfach genial und manch einer verbrachte die Nacht auf Deck und nicht in seinem engen Bett an Board.
Am nächsten Tag ging es zum Whiteheaven Beach, der zu den schönsten Stränden der Welt gehört. Und wir haben schon viele schöne Strände unterwegs gesehen, und dieser Übertraf alles. Der Sand war Silikonsand. Ich habe noch nie so etwas feines und weisses gesehen. Dieser steht unter Naturschutz, denn es gibt auf der Welt fast kein Silikonsand mehr. Mit diesem Sand werden die grössten und besten Teleskope hergestellt.
Das Wasser war sehr klar und wir waren nur bis zu den Knien drin und sahen ein Meter von uns entfernt Lemonsharks, welche auf der Jagd nach fischen waren. Diese Haie waren aber für den Menschen nicht gefährlich. Viel mehr sorgen machten sich alle wegen den Quallen. Man hätte wegen der Qualensaison nicht ohne Schwimmanzug in das Wasser reingehen dürfen, denn dies hätte tödlich enden können. Wir waren drei mal täglich Schnorcheln und ich hatte einmal eine Qualle gesehen. Man musste also wirklich Pech haben, um von so einem Tier gestochen zu werden.
Kaum zurück von der See ging es schon zum nächsten spontanen Ausflug. Diesmal buchten wir einen Schnorcheltrip zum Great Barrier Reaf. Dieses riesige Korallenriff ist ein Naturwunder und wenn man diese vielen bunten Farben im Wasser sah, kam man sich wie in einer Fantasiewelt vor und ist kaum in Worte zu fassen.
Bevor meine Weiterreise nach Argentinien geht und Sandra auf den Heimweg macht, machten wir noch einen Halt in Melbourne, wo wir noch viel einkauften und die letzen Tage in Australien genossen. Die Stadt bietet extrem viel und hat eine gute Kunst- und Musikszene. So besuchten wir ein Musical und waren noch am Bob Dylan Konzert.
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