Sonntag, 28. November 2010

Quito - Galapagos

Jump! - Golden Beach
Knapp unterhalb der Wolkendecke befindet sich die Landebahn von Quito, Ecuador. Kein Wunder, Quito befindet sich auch auf 2800 Meter und ist umgeben von riesigen Bergen. Man hat das Gefühl, die Stadt befindet sich in den Wolken. Quito, mit rund 2 Mio. Einwohnern, begrüsste uns mit heftigen Regengüssen. Wir nutzten die Zeit, um uns in der gemütlichen Unterkunft zu entspannen. Das "Casa Helbling" wurde von Schweizern gegründet und überal wird auch Deutsch gesprochen. Wir fühlten uns sofort wie zu Hause.

Die Stadt Quito gehört angeblich zu den schönsten Städten Südamerikas, vielleicht lag es am Wetter, wir waren nicht sonderlich begeistert. Ecuador hat vor ein paar Jahren als Währung den USD eingeführt, was ich bis zur Ankunft nicht wusste. Haupteinnahmequelle ist das Erdöl, für welches extrem viel Regenwald abgeholt wurde. Fast jährlich wird hier in Ecuador der Präsident gestürzt. So war es nicht verwunderlich das man beim Spazieren in der Stadt auf Demonstrationen stiess.

Tausend Kilometer westlich von Südamerika befinden sich die Galapagos-Inseln. Die Insel-Gruppe besteht aus 14 grösseren Inseln und 100 winzigen. Die meisten Inseln stehen unter Naturschutz und sind nicht bewohnt. Diese darf man auch nur mit einem Guide betreten und es ist nicht erlaubt, vom gekennzeichneten Weg abzukommen. Tiere und Pflanzen dürfen nicht berührt werden. Von der Schweiz aus buchten wir eine 8-tägige Kreuzfahrt, zugegeben diese hatten wir uns anders vorgestellt. Wir dachten an Sonne, Erholung, Strand und Meer. Was uns erwartete, war ein vollgepacktes Programm, Adventures und wenig Schlaf. Aber es lohnte sich, Galapagos war definitiv eines unserer Highlights.

Schnorcheln vom Dinghy

Seelöwen-Attacke
Am ersten Tag erkundeten wir die Hauptinsel Santa Cruz zu Fuss und mit dem Auto. Santa Cruz ist die einzige "zivilisierte Insel" und 20'000 Menschen leben mitlerweile dort. Diese Insel hätte vom Flair und dem Klima auch irgendwo in der Karibik sein können. Am Abend ging es weiter zu unserem Schiff, welches vor der Küste ankerte. Die "Encantada" hatte Platz für 12 Touristen, 5 Besatzungskräfte und dem Guide. Auf dem Schiff war der Platz so knapp bemessen, das wir zu zweit in unsere Kabine nicht stehen konnten. Kurz nach dem Essen machte der Kapitän das Schiff zur Fahrt bereit. Hätte mir jemand vorher ein Video von so einer Fahrt gezeigt, ich hätte mit 2x überlegt, auf das Schiff zu gehen. Der Seegang war von zwei Faktoren abhängig, Geschwindigkeit des Schiffes und der Stärke des Wellenganges. Ersteres betrug nachts um die 60 Stundenkilomenter. Zweiteres war in den ersten drei Tagen eher wild. Es hat nachts so stark geschaukelt, dass wir beinahe aus dem Bett fielen. Links, rechts, vorne, hinten.... Schlafen war wenn überhaupt nur auf dem Rücken möglich. Der nächtliche Toilettengang hatte viele blaue Flecken zur Folge. Man fiel fast von der Schüssel ;-) Die Encantada liess die meiste Strecke nachts hinter sich. Zudem war der Motor des Schiffes extrem laut. "Let's begin the Heavy Metal Concert" scherzte die Crew jeden Abend. Zum Glück war ich noch in einer Apotheke und bekam eine Mischung aus Schlaftabletten und Seekrankheitsmittel verabreicht. Ich vermute in Europa würden die Pillen unter Drogen gehen, aber ich hätte es ohne diese nicht ausgehaltet. So kam ich nachts immerhin ein bisschen zu Schlaf. Am nächsten Morgen beim Frühstück, schon um 7 Uhr, sah ich in viele müden Augen. Fast niemand hatte ein Auge zugetan.

Die Encantada - unser Zuhause

Und noch etwas, was wir uns anders vorgestellt haben, zum Thema Sonne, Strand, Erholung und Meer. Täglich gingen wir 1-2 mal schnorcheln. Inzwischen hatten wir sowieso viel Übung darin. Bevor wir auf Galapagos gingen, machte mich Sandra darauf aufmerksam, dass es dort Pinguine gibt. "Hmm.... komisch", dachte ich, die gibt es doch nur in kalten Regionen. Als wir das erste Mal ins Wasser gingen, wusste ich auch, was die Pinguine dort machten. Als Schaffhauser ist man das kalte Rheinwasser gewöhnt. Galapagos übertrifft dieses bei Weitem und auch der Schwimmanzug war keine grosse Hilfe.





Und trotzdem es hat sich gelohnt. Am ersten Tag auf See umkreisten Orca Wale unser Boot. Wir gingen sofort mit dem kleinen Motorboot - Dinghy etwas näher zu Ihnen heran. Zum berühren waren 2 ausgewachsene Orcas mit 2 Jungen, auf der Suche nach Seelöwen und Schildkröten. Orcas sind extrem selten zu sichten in Galapagos, wir hatten unglaubliches Glück und es war ein faszinierendes Erlebnis.


Orca
Blue Foot Booby

Turtle

Frigate

Baby-Seelion
Iguana

Pingu

Auch sonst war jeder Schnorcheltrip ein riesiges Ereignis, manchmal auch sehr anspruchsvoll und anstrengend. Man schnorchelte selten von der Küste aus, sondern oft vom Dinghy. Unbeschreiblich, was wir alles erlebten. Ab und zu trafen wir auf riese Manta-, Stachel- und Adlerrochen, welche majestätisch an uns vorbei glitten. Man hätte stundenlang denen nach schwimmen können. Auch die 1,20m grossen Seeturtels lösten bei uns jedes Mal Begeisterung aus, wenn man mit den gemütlichen Tieren in Kontakt kamen.

Manta

shark


In Galapagos ist die Tierwelt anders als sonst wo. Überal auf den Pfaden tumeln sich Tiere, seien es Seelöwen, Iguane oder Vögel. Hier macht der Mensch den Tieren Platz, nicht umgekehrt. Da es nicht erlaubt ist, die Tiere anzufassen, kommen diese auch näher als anderswo und man sieht somit auch mehr.

Iguana

Um unser Boot schwammen immer wieder mal Haie und das Wasser war so klar, dass wir Sie gut sahen. Auf Galapagos hat noch nie ein Hai ein Mensch angegriffen. Und trotzdem, als wir beim schnorcheln auf ein fast 2 m grossen Hai trafen, ging in uns emotionell alles drunter und drüber. Teils Faszination, teils Angst. Doch der Hai zeigte wenig Interesse und schwamm gemütlich weiter. Bis zum Schluss sind wir auf einige Haie gestossen, wie auch Tintenfische und sonstige Gestalten welche sich im Ozean herum tummeln.




Eule

Die Inseln waren so abwechslungsreich wie das Wetter, dieses konnte sich stündlich ändern - nur geregnet hat es selten. Morgens war es meistens sehr frisch, Mittags konnte es sehr heiss sein, manchmal blieb es aber auch bewölkt. Die Insel unterschieden sich extrem, Grund dafür ist unteranderem deren "Alter". Die jüngste Insel ist 500'000 Jahre alt, die älteste 2 Mio. Jahre alt. Charles Darwin, einer der berühmtesten "Galapagos-Wissenschaftler" entwickelte hier seine Evolutions-Theorie und war fasziniert von deren Artenvielfalt. Obwohl die Inseln nahe beinahe liegen, unterscheidet sich die Tier- und Pflanzenwelt extrem. Die ganze Landschaften waren so unterschiedlich, nicht immer schön, manchmal wie auf dem Mond. Alles jedoch sehr beeindruckend.









Ich habe in einer Woche Galapagos 700 Bilder geschossen - ich weiss gar nicht was ich alles noch schreiben soll, dann wäre ich morgens noch dran. Somit ist es mir diesmal extrem schwer gefallen, mich hier auf wenige Bilder zu beschränken.

red Beach

Donnerstag, 11. November 2010

Mainland Mexico



Mit reichlich Verspätung, nach 16 Uhr, verliess die Fähre den Hafen von La Paz in Richtung mexikanisches Festland. Ungefähr 6 Stunden benötigt das grosse Schiff für die Strecke. Nach dem romantischen Sonnenuntergang verblasste schnell die Anfangseuphorie und die Fahrt stellte sich als langweiliges Dahintreiben heraus. Die Ticketpreise waren mit 80 USD für mexikanische Verhältnisse sehr hoch. Trotzdem war es erstaunlich, dass wir auf dem Schiff die einzigen Touristen waren. Die vielen Mexikaner genossen die Fahrt, indem sie das machten, was sie am besten konnten: Tequilla trinken und lautstark Karaoke singen.



Um 22.30 Uhr erreichten wir die Hafenstadt Topolobampo. Unser Ziel war die unheimliche Stadt Los Mochis, darum sprangen wir ins nächste Taxi, das uns nach einer halbstündigen Fahrt in einem Motel unterbrachte. Nach 4-stündigem Schlaf machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Von Los Mochis aus gibt es eine der schönsten Zugfahrten der Welt, welche sich in einer 15-stündigen Fahrt durch den Kupfercanyon nach Chihuahua schlängelt. Der Kupfercanyon ist grösser als der Grand Canyon und die Fahrt im "el chepe", wie der Zug liebevoll genannt wird, führt durch zahlreiche Tunnel und über dutzende Brücken. Nach 10-stündiger Fahrt machten wir in Creel einen 2-tägigen Stopp. Unterdessen hat der Zug 2400 Meter Höhenunterschied überwunden und nachts sinken die Temperaturen fast auf den Gefrierpunkt, während tagsdurch 27 Grad warm ist. Creel liegt im Gebiet der Tarahumara-Indianer, welche noch sehr traditionell und unter sich weilen. Die meisten leben vom Verkauf der handgefertigten Schmuckstücken. Von dem kleinen Dorf aus machten wir Ausflüge in den Canyon, badeten in heissen Quellen und genossen die Bergluft.





Nach Creel ging die Zugfahrt weiter nach Chihuahua. Am besten genoss man die Fahrt in den Zwischenräumen der einzelnen Wagons, wo einem der Wind ins Gesicht bläst und das "on the road" Feeling aufkommt. Stundenlang kann man sich dort aufhalten und beobachten, wie sich langsam die Landschaft verändert, von Langeweile weit und breit keine Spur.



Spätabends kamen wir in Chihuahua, einer mittelgrossen Stadt an. Als wir dann von einem Taxi in ein überteuertes Hotel kutschiert wurden, machte man uns überal darauf aufmerksam, dass man nachts nicht in der Stadt herumlaufen soll, denn es sei viel zu gefährlich. In der Hotelrezeption teilten wir mit, dass wir hungrig sind, so wurde uns das Essen aufs Zimmer geliefert. Da die Stadt neben ein paar schönen, historischen Gebäuden nicht viel zu bieten hatte, wollten wir uns schnell auf den Weiterweg machen. Nur wussten wir nicht recht wohin. In La Paz haben wir ein Paar kennengelernt, welches in Mexico City wohnten, und die empfahlen uns, mindestens 4 bis 5 Tage dort zu bleiben. Sie gaben uns wertvolle Tipps und Sehenswürdigkeiten auf den Weg. Da die Busfahrt nach Mexico City ca. 30 Stunden dauert, entschieden wir uns spontan für einen Innlandflug.


Wenn man im Landeanflug auf die grösste Stadt der Welt ist, kommt ein mulmiges Gefühl auf. Immer wieder hört man in Mexico Schauermärchen über die Hauptstadt. Man soll keine Wertsachen mit sich tragen, nicht viel Geld etc. und trotzdem, viele welche die Stadt kennen, lieben sie. Umgerechnet 25 Rappen kostet eine Fahrt mit der Metro und man könnte stundenlang darin verweilen. Erstaunlich war die hilfsbereitschaft der Leute, wenn zwei ahnungslose Gringos in der Gegend herumstehen und so wurden wir sehr freundlich in das Zentrum der Stadt gelotst. Dies ist man sich von Grossstädten nicht gewohnt. Von einem günstigen Hostel aus machten wir uns auf die Erkundungstour. Am Anfang warten wir schon mit der Grösse der Stadt überfordert, aber man findet sich schnell zurecht. Vor allem wie die Leute leben, ist faszinierend. Jeder verdient auf unglaublich kreativer Weise sein Geld  und versucht dabei nicht seinen Spass zu verlieren. Während man in amerikanischen Grossstädten viele Obdachlose sieht,  ist uns in Mexico City keiner über den Weg gelaufen. Kulturell bietet die Stadt sehr viel. So stösst man mitten in der Stadt auf alte Ruinen der Maya's. Wenn man sich speziell für Geschichte interessiert, muss man das Museo de Antropologia besuchen, dass bedeutenste Museum wenn es um die Geschichte der Maya's geht. 1,5 Stunden von der Hauptstadt entfernt ist die Ruinenstadt Teotihuacan, welches zu den Höhepunkten gehörte. Die riesige Sonnenpyramide mussten wir unbedingt erklingen.





Während ich diese Zeilen schreibe, geniess ich den Sonnenuntergang in Acapulco. Die Stadt ist am Wochenende vollgestopft mit mexikanischen Touristen und während der Woche sind die Hotelanlagen ausgestorben. Im Dezember werden die Massen von amerikanischen Touristen ankommen. Wir geniessen hier die letzten Tage von Mexico, und danach geht es in einer 5-stündigen Fahrt wieder zur Hauptstadt, von wo wir ein paar Tage später über Kolumbien nach Ecuador fliegen. Das Endziel sind die Galapagos-Inseln. Acapulco ist eine lebhafte, für den Tourismus gemachte Stadt. Verallem die berühmten Klippenspringer haben uns nachts mit Ihrer Show imponiert.