Die Geschichte des Marleys
Bevor ich mit meiner Reisedokumentation beginne, vorab eine kleine Geschichte zum schmunzeln.
Seit ich in Argentinien und Uruguay am reisen bin, sprechen mich die Leute überall auf der Strasse an. Ich war über diese proaktive Art sehr überrascht, freute mich aber, selten alleine zu sein. Doch es hatte seinen Grund, das mich diese Leute ansprachen. Als ich ganz alleine in Salta auf dem Hauptplatz ein Buch las, kamen fünf Jungendliche auf mich zu und sagten, dass ich wie Marley aussehe. Ich dachte zuerst an Bob Marley und sagte, der sei doch schwarz. Nein nein, Marley von Argentinien, der Fernsehmoderator der “Argentinien sucht den Superstar” moderiert. Zudem hat er noch eine Reisesendung, wo er um die Welt reist mit dem Rucksack. Rucksack? Um die Welt reisen? Kam mir irgendwie bekannt vor. Naja, Marley war dann sehr schnell wieder vergessen. In Cordoba müde angekommen, als ich das Hotel betrat, kamen sofort ein paar Leute auf mich zu, “Hey du siehst aus wie Marley” und so ging es weiter jeden Tag bis ich Südamerika verliess. Auch meine Freunde mit denen ich 20 Tage durch Uruguay reiste, nannten mich nur Marley. An einem Abend hatten Sie sich einen Spass erlaubt und an einer Party überall herum erzählt, dass Marley auch an der Party sei. So wurde ich den ganzen Abend mit Anfragen überhäuft. Ich bin der Meinung, dieser Marley sieht mir überhaupt nicht ähnlich und zudem ist er mind. 10 Jahre älter, aber irgend etwas muss wohl stimmen, sonst wäre ich nicht in jeder Stadt darauf angesprochen worden. Ihr könnt euch ja selber eine Meinung bilden:
Zurück zum Reisen. Ich verbrachte schlussendlich fast eine Woche in Cordoba bei meiner neuen Bekannten. Für dieses Erlebnis bin ich sehr dankbar, so konnte ich einen Blick in das argentinische Leben werfen. Danach machte ich mich auf den Weg nach Buenos Aires. Von dort nahm ich die 3 stündige Fähre nach Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. Nach der sonnigen und gemütlichen Überfahrt machte ich mich auf die Suche nach einem gemütlichen Hostel. Auf dem Weg stieß ich auf eine weitere suchende Seele: Andres, einen Geologen aus Chile und so machten wir uns gemeinsam auf die Suche. Aus Andres und mir wurden zwei richtig gute Freunde, welche die ganze Reise zusammen verbrachten, doch zu diesem Zeitpunkt wussten wir das noch nicht. Eigentlich wollte ich in Montevideo nicht viel Zeit verbringen, doch als wir in diesem Hostel ankamen, fühlten wir uns sofort wohl. Jeden Abend, tranken und assen wir auf der Terrasse und danach gingen wir in einer Gruppe von 10-15 Personen in den Ausgang. Jeden Abend hörte ich Andres sagen: “Morgen machen wir uns aber auf den Weg in die nächste Ortschaft, wir müssen mal was anderes sehen”, als dann der nächste Morgen anbrach, fragte ich Andres, der im Stockbett über mir schlief: “Und? Sollen wir weiter reisen?”, seine Antwort kam ganz schnell: “Ach, lass uns noch ne Nacht bleiben”, und dass ging jeden Tag so, bis wir über eine Woche in Montevideo waren. Montevideo an sich ist eine sehr schöne Stadt, nicht zu gross und trotzdem einiges los. Im Stil von Zürich. Zudem gibt es dort einige schöne Strände und hauptsächlich am Weekend strömen tausende Leute dahin und man fühlt sich teils mehr zu den alten Zeiten von Mallorca versetzt. So viele Leute hatte es da. Das Meer war ein bisschen speziell, denn es fliesst ein riesen Fluss in den Atlantik sodass Süsswasser und Salzwasser sich dort mischen. Das hatte die Folge, dass es sehr warm war und eine bräunliche Farbe annahm. Wenn ich alleine am Strand war, genügte es ein deutsches Buch zu lesen und man wurde von rechts und links angequatscht von wo man den sei und schon wurde einem viel über die Geschichte Uruguays gelehrt.
Ein grosser Teil der Geschichte Uruguays dreht sich um Fussball. So wurde das Land das kleiner als die Schweiz ist auch schon drei mal Weltmeister. Und auch an der letzten WM wurden sie Dritten. Überhaupt die erste Fussball-WM fand in Uruguay statt, und zu diesem Zweck wurde ein riesen Stadium in Montevideo erbaut um das Jahr 1930. Wirh atten das grosse Glück, dass zu diesem Zeitpunkt die Copa Americana stattfand, die Champions League von Südamerika. So spielte Montevideo gegen Gremio von Brasilien und mitten in den 40’000 Fans sassen wir. Anfänglich war es ein super Match. Nach 20 Minuten stand schon 2:2, und dann konnte ich mich leider nicht mehr aufs Spiel konzentrieren, denn die brasilianischen Fans begannen das Stadium auseinander zu nehmen. Es dauerte lange bis die Polizei einschritt und die waren am Anfang total überfordert. Ich bin mir als Fan des türkischen Fussballs einiges gewöhnt, aber als ich 50 Fans auf 3 Polizisten stürmten und sinnlos auf die einprügelten, war ich zu tiefst geschockt. Sogar Tiere benehmen sich kultivierter. Erst als die Polizei Verstärkung schickte, beruhigte sich die Situation. Mit all den Feuerwerken, herum fliegenden Steine und Sitze war dies kein ungefährliches Vergnügen. Doch ein Vorteil hatte es: Ich leerte viele neue spanische Wörter “hijo de …..”.
Nach einer Woche Montevideo machten Andres und ich uns weiter auf den Weg entlang der Küste. Wir waren auf der Suche nach ein bisschen Entspannung, und dachten, den richtigen Ort gefunden zu haben. Atlantida war so klein, dass es nicht einmal in meinem Reiseführer erwähnt wurde. Doch wir vergassen, dass Januar die Hauptreisezeit in Uruguay war und ganz Brasilien und Argentinien der Küste entlang reisten. Dort angekommen waren wir vorerst geschockt. Kein Platz in den Hostels, was uns zwang, in ein teures Hostel zu ziehen. Und von wegen Ruhe und Entspannung. Was wir fanden war: Party Party Party. Zudem fand noch ein gratis Open Air statt, was uns dazu bewog, zwei Tage dort zu bleiben. Wir reisten weiter entlang der Küste, bis wir in Punta del Este ankamen. Punta ist das St. Tropez von Südamerika und alles was Rang und Namen hat, hat dort ein Haus. Optisch sah es wie Miami oder Cancun aus und gehört zu den Top Adressen in ganz Amerika. Man sah dort viele schöne Leute in teuren Autos. Auch dort konnte man in den sehr exklusiven Clubs abfeiern, aber wir hatten schon nach zwei Tagen genug, denn eigentlich suchten wir was ruhigeres und zudem war es viel zu teuer.
Und endlich haben wir auch das gefunden, was wir suchten. La Paloma hieß der Ort und ist vor allem bei Surfer sehr bekannt, weil die Wellen von Links her kommen. Irgendwie ging es allen gleich, welche dort strandeten. Durch die familiäre Atmosphäre blieben viele Leute dort ein paar Tage hängen. Jeden Abend verbrachten wir in einer Gruppe von 10-15 Personen (die meisten kamen aus Argentinien) auf der Terrasse, spielten Gitarre, philosophierten über die Welt und gingen direkt am nächsten Morgen den Sonnenaufgang anschauen, Frühstücken und dann endlich schlafen. Aus dieser Gruppe hat sich ein harter “Kern” gebildet, welche beschlossen, miteinander weiter zu reisen. So reisten wir (3 Mädels, 4 Jungs) nach Cabo Polonia, wo wir zusammen ein Haus mieteten. Cabo Polonia wurde mir von allen Einheimischen und Reisenden empfohlen. Dieser magische ort befindet sich mitten im Naturschutzgebiet und man kommt dort nur mit speziellen Trucks hin, welche ca. eine halbe Stunde über die nahe gelegenen Sanddünen fahren. Dort angekommen teilte ich zuerst meinen Freunden mit, dass ich hier wohl nicht lange bleiben werde, da die Häuser nicht über fliessendes Wasser und Strom verfügten. Um so mehr überraschte ich die Gruppe, als sie weiterreisten und ich als einziger noch einen Tag länger blieb, so fasziniert war ich von Cabo. Tags durch verbrachte man an den wunderschönen Stränden, oder auch auf den Sanddünen, von wo man eine faszinierende Aussiecht hatte. Gewohnt hat man in kleinen Holzhütten in der nähe des Strandes oder sonst auf dem Hügel in weissen Steinhäuser, welche man sonst von Griechenland her kannte. Die Häuser waren sehr simpel. Wenn man Duschen wollte, musste man zuerst dass Wasser aufkochen und dann mit einem Behälter kaltem Wasser mischen und dann aus diesem Kessel schöpfen. Wenn man ein “grosses Geschäft” verrichtete, musste man aus dem selben Behälter “das Verbrachte” wegspülen und auch aus dem selben Kessel wird geschöpft, um die Zähne zu putzen. Naja, man gewöhnte sich an alles. In der Nacht erwachte Cabo Polonia zum magischen Ort. Da es kein Strom hatte, waren überall 5-Literflaschen mit Sand und Kerzen gefüllt. Der Sternenhimmel glühte in voller Pracht und ab und zu konnte man eine Sternschnuppe sichten. Wir verbrachten viele Abende mit Decken draußen am Strand und schauten dem Himmel empor. Nicht immer nüchtern….oder nie. Das einzige hellere Licht in Cabo kam vom hiesigen Leuchtturm, der genau 12 Sekunden brauchte, um eine Runde zu machen. Wenn man Nachts durch die Ortschaft spazierte, kam man sich wie Frodo und Sam in Herr der Ringe vor, welche in Richtung Mordor, dem alles sehende Auge zu liefen. Ja, es war ein bisschen magisch. In Cabo wimmelte es an “strangen” Personen, welche ich Hippie leben genossen und dort vor X Jahren strandeten. Doch mit ihrer Live-Musik und sonstigen künstlerischen Darstellungen belebten sie den Ort.
Von Cabo Polonia ging ich alleine nach Punta del Diablo, wo ich zur Gruppe zustieß. Geplant war eigentlich, dass ich dort eine Woche bleibe, aber dann schrieb mir meine bessere Hälfte, dass wir uns in drei Tagen in Neuseeland sehen werden. Uuuups, irgendwie hatte ich ein anderes Datum in Erinnerung und musste in einer Nacht und Nebelaktion nach Buenos Aires kommen. Typisch Yasi, habe mich also nicht geändert. Der Flug zum Glück aber nicht verpasst. Zudem hatte ich dann in Buenos Aires super Tage mit zwei Österreicher verbracht, welche ich in Uruguay kennengelernt habe und ca. 10 Locals, welche uns die ganze Stadt zeigten und uns an verschiedene Konzerte ausführten. Und natürlich haben auch sie sich einen Spass aus Marley gemacht.
Was soll ich noch weiter schreiben? Ich glaube, weitere Geschichten, welche nicht für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind, folgen mal an einem Lagerfeuer. So wie die Geschichte, als wir, nicht ganz nüchtern, uns nachts an einen 300 Kilo schweren Seehund heranschlichen…
Ich bin froh, dass ich so viele meiner neugewonnenen Freunde am Schluss meiner Reise in Buenos Aires sehen werde. Und einen Abstecher nach Chile muss ich wohl auch noch machen. Ich glaube, mit Argentinien habe ich meine neue Wahlheimat gefunden.
Andres und meine Wenigkeit....





Hey Yasi, gut zu hören, dass es dir gut geht! Sehr interessanter Bericht!
AntwortenLöschenGruess / tj