Nach den Galapagos ging es weiter ins Landesinnere von Ecuador. In vielen Hinsichten erinnert mich das Land an die Schweiz. Alles ist sehr grün und bergig. Auch die Leute sind den Schweizer sehr ähnlich. Sie lieben gute Schokolade, sind sehr (!) pünktlich, und eher zurückhaltend, aber freundlich. Unseren ersten Stopp machten wir in Baños, einem kleinen Städtchen auf 1800m. Irgendwie erinnert es mich ans Glarnerland. Baños wurde schon mehrmals vom nahe gelegenen Vulkan Tungurahua zerstört und im Reiseführer steht, dass es nicht ungefährlich in dieser Gegend sei und man sich vorher über Gefahren informieren sollte. Wie es der Zufall wollte, begann der Vulkan genau an dem Tag aktiv zu werden, als wir dort ankamen. Wir waren sofort von dieser Urgewalt fasziniert und machten uns zu Fuss näher an den Vulkan heran. Der Trekkingweg führte durch Junglegebiet und ging sehr steil den Berg hinauf. Nach 3 Stunden haben wir 1000m Höhenunterschied hinter uns gelassen und konnten das Brummen und Vibrieren des Vulkanes richtig wahrnehmen. Einheimische sagten uns, dass es nachts noch viel spannender sei und man ein Feuerwerk an Lava sehen kann. So machten wur uns um 7 Uhr abends, aber diesmal mit dem Taxi, auf den Weg zu einer Hütte wo wir das Spektakel bewundern konnten. Und es war wirklich gigantisch. Kleinere und grössere Explosionen ließen das Lava rechts und links am Berg herunter fliessen. Leider wurde mir ein paar Tage drauf die Kamera gestohlen, somit habe ich keine Fotos mehr davon (Die Schattenseiten an Südamerika). Wir hatten riesen Glück, so ein Vulkanausbruch erleben zu dürfen. Baños bietet auch sonst viel. Adventure Trips, Rafting usw. Wir mieteten ein Tag Fahrräder und fuhren den Rio Verde entlang, wo wir immer wieder ein paar Stopps einlegten und uns bei den vielen Wasserfällen abkühlten. Auch hier haben wir keine Fotos mehr. Am letzten Tag in Baños fand eine Volkszählung statt. Das hieß für alle Einwohner und Touristen eine Ausgangssperre von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Zum Abschluss gönnten wir uns ein Abendessen im Schweizer Bistro: Fondue Bourginouise. Ja, manchmal vermissen wir das Schweizer Essen.
Die Busgesellschaften in Ecuador sind nicht zu vergleichen mit Peru oder Mexico. Vom Komfort und von den Verbindungen. So kam es, dass wir an einem der unzähligen Busterminals beim umsteigen auf eine andere Linie, zum Opfer von Trickdieben wurden. Das Ärgerliche war, dass die mit den Angestellten (Chauffeur etc.) zusammenarbeiteten und wir denen trauten. Auch die Polizei war nicht gross interessiert am Geschehen. Die waren damit beschäftigt, mit ihren Maschinengewehren und Sonnenbrille, einen auf John Wayne zu machen. Naja, wir leben noch und das ist das Wichtigste. Mein I-Phone, Kamera etc. wird mir die Versicherung ersetzen.
Ach ja, die Pässe…. Die kamen uns auch noch weg. So mussten wir vom Süden wieder in den Norden in die Hauptstadt zurückkehren zur Schweizer Botschaft. Da fühlte man sich wie zu Hause, als die ältere Dame sagte “Au nei, Sie wend dä Pass am Morge ha? Da goht nid, am Morge mach ich Visa, am Mittag chömed Päss dra. Do mue mä sich konzentriere”
Auch die Propaganda zur Ausschaffungsinitiative sind mir aufgefallen. Wusste nicht, das die SVP so gut vertreten ist im Ausland. Ein guter Spruch, welcher für ganz Südamerika zutrifft sagte sie aber noch: “90 Prozent der Leute sind sehr freundlich und Hilfsbereit, die restlichen 10 Prozent können dir das Leben zur Hölle machen!”
Der Lebensstandart in Peru ist einiges tiefer als in Ecuador, dafür ist das Leben auch einiges günstiger. Für umgerechnet CHF 15 isst man zu zweit ein gutes Abendessen im Restaurant. Und in noch etwas unterscheidet sich Peru von Ecuador. Die Leute. Die Peruaner haben keine Berührungsängste und sind sehr herzlich. Egal wo man ist, überall wird man angesprochen und kommt mit den Leuten in Kontakt. So auch in Huancacho, einem kleinen Fischerdorf am Meer neben der Stadt Trujillo. Als wir da ankamen, wussten wir sofort, dass wir hier länger bleiben werden. In diesem kleinen Dorf sind viele Gestalten hängen geblieben. Jeden Abend bei Sonnenuntergang war am meisten los. Während die Fischer langsam den Arbeitstag beendeten, testeten die Surfer die hohen Wellen bis es dunkel wurde, während die Hippies am Strand die Gitarren auspackten und den ein oder andere Joint rauchten. Unter der Woche war das Dorf ausgestorben, doch am Wochenende entwickelte es sich zu einer Partylocation. Von den nahe liegenden Städten strömten die Leute an den Strand. Während sich die Chicas in den sehr knappen Bikinis in der Sonne bräunten, spielten die Jungs Fussball oder waren am surfen. Eine Familie war neben uns am Volleyball spielen. Es ging nicht lange, bis jemand uns fragte, ob wir mitspielen wollten. Natürlich spielten wir mit, alles andere wäre unhöflich gewesen. Irgendwie stimmte die Chemie von Anfang an und wir hatten ein riesen Fest. Nach dem Spiel wollten Sie uns unbedingt ein Museum zeigen. Gingen wir natürlich auch mit. Doch leider war das Museum geschlossen. Das machte aber nichts in Peru. Man poldert so lange an die Tür, bis der Wärter nachgibt und uns eine Privatführung anbietet. Als wäre das nicht schon genug Gastfreundschaft gewesen, nahmen Sie uns am Abend zu einer Tanzvorstellung mit. Es war eine Mischung von Tanzlokal und Restaurant. Eine Liveband spielte den ganzen Abend, zwischendurch gab es kleine Tanzeinlagen von professionellen Tänzer und sonst tanzten die Gäste was das Zeug hielt. Ich war geschockt. Beim ersten Klang der Musik rannten die Leute auf die Tanzfläche und machten mit. In der Schweiz ist dies ein Prozess der Stunden dauert, zudem war es erst etwa 21 Uhr. Natürlich wurde von uns verlangt mitzutanzen. Ah, ich war noch 100 Prozent nüchtern. Und wenn man auf die Tanzfläche sah, waren überall Profitänzer zu sichten. Die Leute kommen hier mit dieser Gabe zur Welt. Naja, was solls, dachte ich, bin ja im Urlaub. Auf der Tanzfläche bereute ich meinen Entscheid. Die Peruaner sind ein kleines Volk und ich war ein Kopf größer als alle anderen und bemerkte, dass 1000 Augen auf mich gerichtet waren. Wir waren die einzigen Touristen dort und immer wieder hörte ich ein herzliches “Gringo”. Ich wusste, die meinen wohl uns. Nach der Tanzeinlage kam sogar der Moderator mit dem Mikrofon zu mir und ich durfte allen Leuten erklären, dass wir von der Schweiz kommen. In diesem Moment wurde ich zu einer roten Discobeleuchtung. Ich wusste was zu tun ist, mich zu betrinken. Und die Peruaner konnten das genau so gut wie wir. Ich habe aufgehört die fast 2 Liter Bierkrüge zu zählen, aber es waren unzählige. Morgens um 4 Uhr verließen wir das Tanzlokal und machten uns auf den Heimweg. Im Gegensatz zu unseren Gastgebern mussten wir am nächsten Tag nicht arbeiten. In Peru arbeitet man Samstag Morgen. Am nächsten Tag besuchten wir Sie bei der Arbeit und sahen in viele müden Augen. Dies war auch der Augenblick, dass wir uns verabschieden mussten, was uns nicht leicht fiel.
In Huancacho versuchten wir uns auch als Surfer, was uns definitiv nicht leicht fiel. Es ist ziemlich anstrengend und braucht viel Übung, bis man nur aufstehen kann. Aber es hat uns Spass gemacht und werden es bestimmt ein weiteres Mal versuchen. Auch eine spanisch Lektion haben wir genommen und der hat uns extrem viel Neues beigebracht in kurzer Zeit.
Der nächste Stopp machten wir in Lima, der Hauptstadt von Peru. Von der riesigen Stadt, mit dem noch grösseren Verkehrschaos, hört man auch viele furchterregende Geschichten. Aus diesem Grund entschieden wir uns, dass wir in Miraflores, dem wohlhabendsten Gebiet unterkamen. Miraflores war sehr schön und wirkte europäisch, war dementsprechend etwas teuerer. Trotzdem tat es gut, sich wieder einmal wie in der Zivilisation zu fühlen. Von Lima aus ging es weiter in den Süden nach Ica. Dort befindet sich die kleine Oasenstadt Huacachina mitten in der Sandwüste. Für Touristen gemacht, aber total ausgestorben. Das Dorf ist für die riesigen Sanddünen bekannt und man fühlte sich wie in der Sahara. Speziell am Abend war die Stimmung atemberaubend. Auf den riesigen Dünen konnte man den Sonnenuntergang geniessen und beobachten, wie einzelne Sterne am Himmel erschienen. Tags darauf machten wir nachmittags eine Buggy-Tour mit anschliessendem Sandboarden. Die Tour mit dem Buggy war wie eine Achterbahnfahrt und manchmal ist uns der Schrei im Hals stecken geblieben. Das Sandboarden hat sich als schwieriger erwiesen wie wir es gedacht haben. Auch Profi-Snowboarder hatten ihre Mühe.
Unsere Tage hier in Peru neigen sich noch lange nicht dem Ende zu. Bald geht es nach Cusco in die Berge. Jungle Trekking und Machu Picchu stehen auf dem Programm. Bis jetzt kam das Weihnachtsfeeling nicht auf, naja, nur der Song Feliz Navidad (http://www.youtube.com/watch?v=ihW56Xa3XGQ) haben wir langsam gehört. Mal schauen was uns in Cusco erwartet, die Regenzeit beginnt dort.

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